Bayern – ein Bio-Land?

Bei einer gut besuchten Veranstaltung des neu strukturierten Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen gab der Landtagsabgeordnete Sepp Dürr am vergangenen Mittwoch in Nussdorf eine klare Antwort auf diese Frage. Aufgrund seiner bäuerlichen Struktur sei Bayern prädestiniert für eine nachhaltige, ökologische Landwirtschaft, die nicht zwingend unter einem Öko-Label stehen müsse. Jede Leistung, die einer umwelt- und tiergerechten Landwirtschaft zuträglich ist müsse honoriert werden.

Momentan geschieht jedoch das Gegenteil: Betriebe werden nach ihrer Größe bezahlt – so erhalten 20% der Betriebe 85% der Gelder. Obwohl der Bedarf an Bio groß ist erhalten bayrische Betriebe, die auf Bio umstellen wollen nur eine vergleichsweise geringe Förderung. Statt dessen soll die bayrische Landwirtschaft mit Massenproduktion für den Weltmarkt konkurrenzfähig gemacht werden – ein Ziel, dass ohnehin nie erreicht werden kann: in anderen Ländern sind die Investitionskosten wesentlich geringer wie am Beispiel Neuseeland zu sehen ist, wo durch die extensive Weidehaltung und die riesigen Weideflächen z.B. keine Ställe gebaut werden müssen. Gefördert werden sollten daher qualitativ hochwertige regionale Produkte, die außerhalb der Konkurrenz des Weltmarktes stehen.

Weiterhin ist der Bio-Landbau von Bedeutung für den Hochwasserschutz: durch ihn erhöht sich der Humus-Anteil im Boden, was ihn wesentlich resorptionsfähiger für Wasser macht und außerdem für eine hohe CO2-Einlagerung sorgt. Regenwürmer bilden ein Röhrensystem, das für eine gute Drainage bei heftigen Regenfällen sorgt.

Auch unter dem Tierschutzaspekt ist ein Fortschritt des Bio-Landbaus in Bayern nötig. So erhalten nur 16% der Milchkühe in Bayern Weidegang – hiermit belegt Bayern den viertletzten Platz. Immer noch leben über 50% der Kühe in Anbindehaltung.

Das Argument, das biologische Landwirtschaft teuer sei weist Sepp Dürr klar zurück. „Teuer ist nicht Bio. Teuer sind die Folgekosten der konventionellen Landwirtschaft, die z.B. durch Bodenerosionen oder Trinkwasserreinigung entstehen und die vom Verbraucher gezahlt werden müssen“. Auf die Frage, ob mit Bio überhaupt der weltweite Bedarf an Lebensmitteln gedeckt könne entgegnet er, dass ein Großteil der Welternährung über kleinste Äcker zur lokalen Versorgung gedeckt wird. Diesen Menschen mehr Wissen über Landbau zu vermitteln, zusammen mit einem geringeren Fleischkonsum, der große Mengen von Getreide und Energie verschlingt, könnte die Welternährung problemlos sichern.

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